Anders Wirtschaften: Cradle-to-cradle

Wo letztes Jahr der ein oder andere noch geschafft hat seine Augen vor zu verschließen, ist es dieses Jahr so ein präsentes Thema, dass wirklich jeder umdenken muss – es geht um unsere Verschwendung!

Es geht nicht darum, auf einzelne mit dem Finger zu zeigen. Es geht um unser aller Konsumverhalten. Es geht um Ressourcenverschwendung, Menschenrechte und den Erhalt der Erde. Dass Produkte nach ihrer Nutzung in dem Müll landen, können wir uns einfach nicht mehr leisten. Es soll mit besseren Zutaten die Qualität der Produkte und damit die Lebensqualität erhöht werden. Wie man von dem cradle-to-grave zum cradle-to-cradle Prinzip gelangt, ist nicht über Nacht umgesetzt. Das zeigen auch die nachfolgenden Beispiele. Dennoch, es ist an der Zeit wirtschaften anders zu denken.

Piñatex – Leder ohne Qualen

Carmen Hijosa ist Beraterin der Lederindustrie. Sie hat fast die Hälfte ihres Lebens in der Branche gearbeitet und kennt sich daher bestens aus. Carmen Hijosa ist auch Mutter. Und so kommt es zu dem Punkt, wo Hijosa so nicht mehr weiter machen kann, wie sie es bisher tat.

Dieser Wendepunkt in ihrem Leben findet 1995 auf den Philippinen statt. Dort sieht sie das erste Mal unter welchen Bedingungen die Lederproduktion erfolgt. Sie entscheidet sich gegen das Tierleid, dass die Lederindustrie unterstützt, gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen, bei denen die Arbeiter mit toxischen Stoffen während des Gerbprozesses in Kontakt kommen. Sie beschließt nie wieder mit Leder zu arbeiten und kündigt.

Was sie auf den Philippinen allerdings noch entdeckt, ist „Barong Tagalog“, ein traditionelles Trachtenhemd aus dem Garn der Ananaspflanze. Als sie die Fäden berührt, sind diese rau und gleiten dennoch sanft durch ihre Finger. Der Stoff ist dehnbar und geht aus Material hervor, das als Abfall gilt. Ananasblätter werden meistens weggeworfen oder verbrannt.

Hijosa geht mit ihrer Tochter nach Irland, um dort Textilwissenschaft zu studieren. Sie ist fast fünfzig, als sie das Erstsemester beginnt. Dort arbeitet sie mit dem Material  aus Ananasfaser, dass sich „Piña“ nennt. Später gründet sie ihre erste Firma, die durch die Universität unterstützt wird. Hijosas Plan ist einen Lederersatz aus Ananasfasern herzustellen.

Viele Jahre vergehen, doch irgendwann schafft sie es, eine stabile und robuste Struktur zu erstellen. Sie gibt dem Material den Namen „Piñatex“. So schafft sie aus einem einfachen Abfallstoff einen nützlichen Rohstoff zur Weiterverarbeitung zu einem Textil im Sinne des „cradle-to-cradle“.

Der Text wurde anlässlich des Artikels in der Süddeutschen Zeitung verfasst: Pina Co-LederBild: David Stewart

Aus Reifen Schlafplätze machen

In Brasilien gibt es einen jungen Mann, der Hunden und Katzen einen neuen Schlafplatz gibt. Amarildo Silva verwandelt benutze Reifen in Schlafkörbchen. Doch dienen sie nicht nur als Material für gemütliche Rastplätze, sondern werden auch gerne als dekorative Blumenkästen angefragt. So gibt Amarildo Produkten einen zweiten Nutzen, die eigentlich am Ende ihres Lebenszyklus wären.

Bild: Amarildo Silva

 

Spielzeug mieten anstatt kaufen

Der Wegwerfgesellschaft entgegenwirken möchte auch das Unternehmen „MeineSpielzeugkiste“ aus Berlin. Sie sind eine Sharing-Plattform für Kinderspielzeug. Spielzeuge sind Güter, bei denen es Sinn macht, sie zu teilen. Meist werden sie nur eine kurze Zeit gebraucht und oft sind sie sehr teuer. Durch die Sharing-Plattform können Familien hochwertige und beliebte Spielzeuge leihen, ohne diese zu kaufen.

Das Prinzip von „MeineSpielzeugkiste“ verhindert, dass Kinder Berge von Spielzeugen herumliegen haben, für die sie sich gar nicht mehr interessieren. Außerdem lernen die Kleinen dadurch eine wichtige Lektion: Sie lernen, sich von Spielzeug zu trennen, dass sie nicht mehr wirklich benötigen. Es ist Entlastung und Bereicherung zugleich! Und ganz nebenbei ist es gut für unseren Planeten.

Bild: MeineSpielzeugkiste

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