Freitag ist der neue Demonstrationstag

Seit einigen Wochen demonstrieren Schüler, Studenten und einige Erwachsene jeden Freitag für einen nachhaltigeren Umwelt- und Klimaschutz. Ausgelöst durch die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, die am 20. August 2018 das erste mal allein mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima”) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm für den Klimaschutz protestierte und dafür die Schule schwänzte. Nach und nach schlossen sich ihr immer mehr Schüler an und ihr Engagement wuchs zu einer globalen Bewegung. Mittlerweile demonstrieren auch deutsche Schüler regelmäßig jeden Freitag in allen großen Städte und organisieren sich selbstständig unter dem Hashtag #FridayForFuture. Das damit verbunden Schule schwänzen führte bundesweit zu kontroversen Debatten, in denen sich vor allem Politiker meist kritisch und teilweise auch unangebracht zu der Bewegung äußerten. Lückenlose Unterstützung bekommen die Kinder und Jugendliche jedoch von den echte Experten, nämlich den Wissenschaftlern. Der Bund „Scientists for Future” veröffentlichte eine Stellungnahme, in der sich 16.000 Wissenschaftler mit den Schülern solidarisieren und ihre Bewegung unterstützen.

Proteste auf der ganzen Welt

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Schweiz, Finnland, Italien, Spanien, Australien, Neuseeland, USA, Indien, Nepal, Hongkong und Japan greifen immer mehr Kinder und Jugendliche  jede Woche freitags zu selbstgemalten Plakaten und treffen sich vor Regierungsgebäuden, um gemeinsam für ihre Zukunft und für die Zukunft UNSERES Planeten zu demonstrieren. Sie fordern Antworten und Lösungen für akute, aktuelle Probleme, wie die Plastikverschmutzung der Weltmeere, das Insektensterben, den giftigen Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft, die Massentierhaltung und und und. Sie protestieren schlicht und ergreifend für eine Zukunft.

Auffällig dabei ist besonders, dass das politische Interesse und Engagement gerade bei den Jugendlichen unter 20 Jahren im vergangenen Jahr stark gestiegen ist. Von diesem beeindruckenden Tatendrang könnte sich so manch “kritischer” Politiker eine gehörige Scheibe abschneiden. Überhaupt ist die Kritik an Schülern, die sich weit über ihren eigentlichen Schulschluss hinaus und in ihrer Freizeit, für ein so wichtiges Thema engagieren, welches ältere Generation ignorieren und nicht ernst genug nehmen, eine wahre Schande.

 

Das Pochen auf der Schulpflicht und die Denunzierung aufgrund des Alters der Protestierenden ist erbärmlich und absurd, besonders für ein Land, dass so viele Möglichkeiten hätte ein Vorreiter in Sachen Umwelt- und Klimaschutz zu sein. Stattdessen werden engagierte Bürger wo es geht behindert. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass noch vor kurzer Zeit auf die Politikverdrossenheit der deutschen Jugend rumgehackt wurde und nun wird das Politikinteresse und Engagement kritisch beäugt. Die Botschaft lautet also: Interesse für Politik nur wenn es in den politischen Konsens der Parteien passt? Traurig. Während einige Schulen mit der Bewegung sympathisieren und sie so weit es geht unterstützen, werden die Demo-Freitage immer noch als Fehlzeiten auf den Zeugnissen vermerkt. Das schreckt natürlich viele Schüler und Jugendliche, die sich gerade in der Abiturphase befinden, ab.

An alle Schüler, die Bedenken wegen den Fehlzeiten auf ihren Zeugnissen haben: Keine Sorge! Seid stolz auf euch! An eurer Stelle würde ich mit den Fehlzeiten von Demo-Freitagen in jedem Bewerbungsschreiben ordentlich prahlen. Ich würde sie hervorheben und wie einen Orden tragen. Zudem bin ich mir ziemlich sicher, das politisches Engagement, vor allem für den Umwelt- und Klimaschutz, bei allen Arbeitgebern gut ankommt. Außer vielleicht in der Kohle-, Automobil- und Agrarindustrie.

Umweltschutz im Alltag

Vergangenen Freitag gingen mehr als 25.000 Demonstranten gemeinsam für unseren Planeten auf die Straße. Eine wunderschöne Zahl, welche wohl vor allem auch Zustande kam, da Greta Thunberg persönlich an der Demonstration teilnahm. Jedoch wäre 125.000, 250.000 oder 550.000 natürlich eine noch viel schönere Zahl. Ihr seid also alle aufgerufen, jeden Freitags die Zahl der Demonstranten vom vorherigen Protest Freitag zu toppen. Davon abgesehen ist demonstrieren natürlich nur ein Teil von echtem Umwelt- und Klimaschutz. Denn wer predigt, sollte auch danach handeln. Die Umsetzung im stressigen Alltag fällt jedoch oft ziemlich schwer.

Denn Umweltschutz bedeutet oftmals Verzicht. Verzicht auf Komfort, Verzicht auf Gelüste oder Verzicht auf Trends. (Bis man erkennt, dass man im Grunde gar nicht verzichtet, sondern sich einfach der verschwenderischen und ausbeuterischen Ökonomie entzieht und wieder auf das Wesentliche besinnt). Darüber hinaus erschwert die Industrie es den Bürgern ihre guten Vorsätze umzusetzen. Daher muss sich jeder Einzelne umso mehr informieren und engagieren, um konsequent/er umweltfreundlich zu leben. Solange bis die Politik und die Industrie gezwungen sind zu reagieren, weil Ihnen schlicht und ergreifend die Wähler und die Kunden weglaufen. Wir haben nur diesen EINEN Lebensraum.

Umweltschutz leben

Jeder Einzelne ist gefragt seinen Alltag zu überdenken und Alternativen zu finden. Generell das Auto öfter stehen lassen, auch im Regen mal Fahrrad fahren (es gibt mittlerweile schicken Regencapes), verstärkt saisonales Gemüse essen und echte Bio-Bauern aus der Region unterstützen anstelle teils fragwürdige Bio-Produkte aus Bio Supermärkten zu kaufen. Und wir müssen weiter auf die Straße gehen. Wir müssen weiter deutlich und geschlossen zeigen, dass wir eine neue, bessere, gerechtere, nachhaltigere Ökonomie wollen. Wir müssen es einfordern. Es ist Freitag! Also geht raus und schließt euch den jungen Menschen an. Malt Schilder oder nicht, marschiert und skandiert mit oder ohne Trillerpfeife. Aber ich hoffe ihr unterstützt unsere mutigen Schüler, die die Zukunft unseres Planeten über lächerliche Fehlzeiten auf Zeugnissen, Kurvendiskussion oder Übungen auf dem Schwebebalken stellen.

An die Kids auf den Straßen: Ihr rockt! Macht weiter so. #WeGotYou

Die Friday for Future Bewegung gibt es in allen großen Städten, wer in Berlin auch tätig werden und/oder unterstützen will, folgt am Besten dem FFF_Berlin Twitter Account.

Welchen konkreten Beitrag Du leisten kannst, auch auf Start-up und Gründer Ebene, zeigt Dir Rafael Kugel in der Veranstaltung „Aufstehen und Zukunft gestalten – Business Models for Future” am 15. April 2019.

#FridayForFuture

Header Bild: © DW/F. Apfel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.