Gründer*innen Steckbrief: fairjeans – nachhaltige Jeans aus Biobaumwolle

fairjeans brand

Eine Jeans, die super sitzt, ohne Schnickschnack, umweltfreundlich und fair hergestellt. So war zunächst die Vision – und so ist die fairjeans tatsächlich auch in die Realität umgesetzt worden. Die Gründer Miriam Henninger und Walter Blauth haben 2015 am Proof of Concept auf dem Entrepreneurship Summit teilgenommen. Wir wollten gerne von ihnen wissen: Wie hat sich die fairjeans entwickelt?

1. Was ist eure Idee – kurz erklärt?

Fairjeans lässt selbst herstellen und vertreibt nachhaltig hergestellte Basic Jeans für Damen und Herren an Menschen, die einfach und unkompliziert eine gute Jeans kaufen wollen. Es gibt ausschließlich Basic Modelle aus Bio-Baumwolle in dunkelblauem rinse wash, in mittelblauer Waschung und in schwarz. Alle Hosen sind fair produziert und GOTS zertifiziert. Die Modelle bleiben über die Jahre die gleichen und werden nicht jede Saison umgemodelt, wie in der Modebranche oft üblich. So kann man, wenn man einmal die passende Jeans gefunden hat, diese bei Bedarf immer wieder nachkaufen. Der Verkauf der Jeans erfolgt hauptsächlich über Direktvertrieb im eigenen Onlineshop und teilweise über den eigenen Laden in Freiburg.

2. Welches grundsätzliche Problem löst ihr damit? Was wollt ihr mit der fairjeans bewirken?

Viele Männer mögen es nicht Klamotten einzukaufen. Dennoch muss es sein. Wir wollen den einfachen und unkomplizierten Jeanskauf für Männer und Frauen anbieten. Wir wenden uns hauptsächlich an Herren, aber da Frauen auch bedient werden wollten, haben wir mittlerweile auch 2 Damenmodelle im Programm. Wir möchten den Bedarf an Basic-Modellen abdecken an Kunden, die durch schnelles, unkompliziertes Einkaufen ihre Lieblingsjeans finden können. Da der Kunde das gewählte Modell immer wieder nachkaufen kann, kann er seinem Lieblingsmodell jahrelang treu bleiben. Die Jeans sind geeignet für Damen und Herren, die keinen modischen Schnickschnack mögen, sondern einfach eine gute Basic Jeans kaufen wollen. Gut im Sinne von guter Passform, gutem langlebigem Stoff, gut zur Umwelt und den Menschen, die die Hose herstellen. Die bio-faire Herstellung ist dabei eine Dreingabe zur optimalen Passform, von der wir uns erhoffen, dass sie sich langfristig für viele Menschen zu einer Selbstverständlichkeit entwickeln wird.

„Gut im Sinne von guter Passform, gutem langlebigem Stoff, gut zur Umwelt und den Menschen, die die Hose herstellen.“

3. Wie kamt ihr auf die Idee – erzählt ein bisschen über euch, eure Vergangenheit, Interessen und wie ihr euch zu Entrepreneuren entwickelt habt?

Walter Blauth, Foto- und Web-Designer: Ich hatte nach dem Einsturz des Gebäudes Rana Platza in Bangladesh 2013 mit vier weiteren Freunden die Idee der konventionellen Fast-Fashion-Produktion etwas entgegensetzen zu müssen. Die Idee war damals, auch mit sogenannten Fashion Scouts zu arbeiten, die die Jeans ähnlich wie Tupperware vertreiben sollten. Damals war die Idee, sehr viele Modelle in verschiedensten Farben anzubieten. Was von der Idee nach einer gründlichen Überarbeitung mit Miriam übrig blieb, war der Name fairjeans und die unbedingte Vorgabe, die Hosen bio und fair nach GOTS-Standard herstellen zu lassen. Denn nachdem wir einen Hersteller gefunden hatten, der das kann und ihn besucht hatten, war uns klar: bio-faire Herstellung ist wirklich möglich, unter guten Arbeitsbedingungen und ohne Ausbeutung der Umwelt.

Fairjeans Gründer

Bild: Die beiden Gründer Miriam Henninger und Walter Blauth (v.l.)

Miriam Henninger, Dipl. Mode-Designerin: Ich war schon immer an Mode interessiert und sehr früh auch schon an fairer Mode und Slow Fashion, als diese noch in den Kinderschuhen steckte. Ich packte die Gelegenheit beim Schopf, als ich Walter – mit seiner Idee von seinen ehemaligen Mitstreitern allein gelassen – kennen lernte, und nutzte die Gelegenheit, mit ihm zusammen ein bio-faires Modelabel zu gründen. Zusammen entwickelten wir die Idee weiter, wobei meine Expertise durch Berufserfahrung aus der Modeindustrie die Unternehmung etwas  mehr in den machbaren Bereich rückte. Letztendlich starteten wir sehr klein mit nur einem Modell, sozusagen ein Modell für alle. Das war unser Proof of Concept, denn die Idee fand Anklang und wir verkauften auf dem Entrepreneurship Summit 2015 gleich schon die ersten 9 Hosen, womit wir auf dem 2. Platz landeten.

4. An welchen Stellen habt ihr Hilfe gebraucht, was waren eure größten Herausforderungen?

Aus der Idee ein tragfähiges Konzept zu machen und auch die Sache mit dem Vertrieb professionell anzugehen. Denn von Marketing und Vertrieb hatten wir beide nur wenig Ahnung. Wir sind auch beide nicht die geborenen Verkäufer. Aber man lässt sich immer wieder auf Neues ein und  bekommt dadurch immer wieder neue Impulse, wie man die eigene Unternehmung voran bringen kann. Auch heute noch ist Onlinemarketing eine unserer größten Herausforderungen.

5. Wie hat sich „fairjeans“ entwickelt?

fairjeans

Wir haben uns langsam aber stetig von einem Modell zu momentan sieben Modellen und von wenigen zu immer mehr Verkäufen entwickelt. Das Interesse der Kunden war von Anfang an da und wird durch ein Bewusstsein in der Gesellschaft immer größer. Fair und Slow Fashion ist einfach ein stetig wachsendes Trend-Thema. Am Anfang war unser Hersteller in Europa ansässig, momentan wird der größte Teil der Jeans in Tunesien hergestellt. Außerdem noch Türkei, Polen und Portugal. Zuerst hatten wir bloß ein Modell, aktuell haben wir 4 für Herren und 2 Modelle für Damen im Programm. Langfristig soll sich die Kollektion auf 10-12 Modellen erweitern und irgendwann dort einpendeln. Wir beziehen die Rückmeldung unserer Kunden in die Entwicklung neuer Modelle mit ein. Dadurch dass wir nicht nur online verkaufen, sondern in unserem eigenen Laden in Freiburg auch stationär, bekommen wir viel direkte Rückmeldungen.

6. Was ist in euren Augen ein „Job mit Sinn“ und was bedeutet es für euch nachhaltig zu agieren?

Letztendlich ist es für uns die einzig logische Konsequenz, sich zu betätigen, wenn man zukunftsfähig handeln möchte. Dass wir mittlerweile davon leben können, freut uns natürlich ungemein und spornt uns stetig an. Aus einer Vision ist Realität geworden. Klar war und ist es manchmal schwierig. Der Tag ist grundsätzlich immer zu kurz für alle Vorhaben. Aber letztendlich sind wir bis jetzt an jedem Rückschlag bzw. an jeder Herausforderung gewachsen. Es war nicht immer einfach, aber es hat bis jetzt funktioniert.

7. Was würdet ihr, wenn ihr könntet, gern sofort an der Arbeitswelt verändern?

Allzu große Lohnungleichheiten abschaffen und dadurch soziale Ungleichheiten verringern. Unserer Meinung nach die Wurzel sehr vieler Übel. Und gerechtere Unternehmensbesteuerungen von Konzernen einführen. Sprich: alle Unternehmen müssen dort ihre Steuern bezahlen, wo auch die Wertschöpfung erfolgt. Wir sind auch beide Freunde des bedingungslosen Grundeinkommens. Außerdem würde ich, Miriam, einen verpflichtenden Standard-Ehe-Vertrag einführen, der dafür sorgt, dass sich beide Partner über ihre Rechten und Pflichten einigen, einschließlich finanzieller Ausgleiche. Und ich würde die Norm-Erwerbs-Arbeitszeit für Eltern mit Kindern bis 10 Jahren auf 6 Stunden täglich verringern.

8. Was macht für euch den Reiz der Selbstständigkeit aus?

Du kannst jede Entscheidung letztendlich selbst treffen und bist auch selbst 100% für deine Entscheidungen verantwortlich. Das ist zu Beginn oft etwas gewöhnungsbedürftig, aber man kann daraus viel lernen. Als Soloselbständige wäre das überhaupt nichts für mich, aber im Team mit Walter, wo man alles besprechen kann und sich gegenseitig motiviert und unterstützt funktioniert das sehr gut.

9. Könntet ihr euch vorstellen (nochmal oder irgendwann einmal) in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten?

Sag niemals nie. Ja, Das könnte ich mir trotz allem vorstellen, ja. Aber ich glaube nicht, dass es je dazu kommen wird.

10. Was könnt ihr Entrepreneuren aus eurer Erfahrung heraus sagen, die ganz am Anfang stehen?

Man kann Entrepreneuren viel sagen, aber man lernt letztendlich aus seinen eigenen Erfahrungen. Das klassische natürlich: Erst mal einen guten Business-Plan haben und ein gutes finanzielles Konzept. Ich persönlich hätte am liebsten nebenberuflich gegründet, quasi als Hobby, aber bei mir war das nicht möglich. Aus der Sicherheit einer Festanstellung heraus quasi im Hobby ausprobieren, ob die Idee auch funktioniert und testen, ob die Selbständigkeit für einen in Frage kommt, wäre meine Wunschvorstellung gewesen.

Wichtig ist, sich ab und zu auch Hilfe zu holen. Man kann zwar sehr schnell viel Geld in Beratung versenken, die zum Schluss wenig bringt, wenn man nicht in die Umsetzung kommt. Deshalb sollte man immer gleich in die Umsetzung der anvisierten Arbeiten kommen. Grundsätzlich ist es immer sehr gut, wenn man weiß, was man will, oder zumindest was man nicht will. 😊

Alle hier dargestellten Bilder wurden von Walter Blauth, Gründer von fairjeans erstellt.

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