Prof. Dr. Shulamit Bruckstein ist Gründerin von TASWIR Projects und Erfinderin des TASWIR Atlas, Denkerin, Kuratorin und Netzwerkerin; Dozentin und Professorin für kosmopolitische jüdische Traditionen über zwei Jahrzehnte in Jerusalem, Basel, Berlin, Hamburg. Kuratorin der TASWIR Ausstellung im Martin-Gropius-Bau 2009. Shulamit Bruckstein Çoruh verbindet universitäre, öffentliche und freie künstlerische wie andere Plattformen des Wissens, erfindet internationale Formate einer frei assoziierenden Forschung – jenseits von interdisziplinären Programmen und jenseits nationaler Identitäten. Mit ihrem TASWIR Atlas entwickelt sie eine variable digitale Matrix zur Dokumentation subjektiver Objektivität. Mit lizensierten Kopien dieser Matrix können große wie kleine Häuser – Museen, Universitäten, Akademien, Stiftungen – ihre je eigene „kuratorische Handschrift“ veröffentlichen, die das unverwechselbare Profil ihrer Institution im Umgang mit den Dingen zeigt. Das TASWIR Institut wurde im Jahr 2010 gegründet. Im Herbst erscheint das Buch A.S. Bruckstein Çoruh, The TASWIR Project: Zur Umordnung der Dinge beim W. Fink Verlag.

Was ist TASWIR Projects?

TASWIR Projects ist eine nomadische Plattform für zukünftige Architekturen des Wissens, ein imaginäres Institut für die Konzeption künstlerischer und kreativer Wissenswege. TASWIR Projects kooperiert mit einer Faculty von Künstlern, Gelehrten, Kuratoren, Wissenschaftlern und anderen Freischaffenden weltweit, die projektbezogen und ortsspezifisch und ohne Ansehen disziplinärer Grenzen an frei assoziierten Themen arbeitet. Die Konstellationen, die oft „aus dem Nichts“ aus Fragen vor Ort entstehen, werden über unser kleines Büro zu teils großen internationalen Projekten entwickelt, die in Kooperation mit Universitäten, internationalen Festivals, Kulturinstitutionen wie Theatern, Museen, Galerien, Musik-Studios, etc., realisiert werden.

Der Auszug des Wissens aus den Universitäten

Plattformen wie TASWIR Projects, in denen das Wissen aus den Universitäten auswandert, konstituieren sich heute in Netzwerken in Beirut, New York, Berlin, London, Cairo, etc., in großer Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit; solch zeitgenössischen Plattformen für künstlerische, wissenschaftliche, kulturpolitische Forschung sind durchweg schneller und ökonomisch schlanker als Universitäten, sie brauchen keine oder wenig Räume, Sekretariate, Möbel, oder feste Adressen, sie nutzen bestehende Infrastrukturen weltweit, die Konstellationen ihrer Fragestellungen sind direkt, und oft substantieller und radikaler als die der verschiedenen Exzellenz Initiativen der Universitäten, weil sie in unmittelbarer Berührung / Begegnung zwischen herausragenden Gelehrten und Künstlern entstehen. Forschungsinitiativen, die in ihrer Infrastruktur Raum für Unbestimmtes lassen, entstehen am Rande einer documenta, einer Biennale, auf kleinen Workshops von NGO’s in Kairo oder Beirut; ihre Initiativen brauchen keine Vorlaufs-Zeit, und führen nicht selten zu wegweisenden theoretischen wie künstlerischen Arbeiten und Ergebnissen, die oft erst Jahre später die Aufmerksamkeit der staatlichen Institutionen auf sich  ziehen. Plattformen dieser Art kooperieren mit Universitäten, sind diesen aber nicht untergeordnet.

TASWIR Projects baut an der Renaissance einer Architektur des Wissens, die an mittelalterliche judeo-arabische Wissenszentren erinnert: seine „faculty“ wandert mit den ihr eigenen Fragen von Zentrum zu Zentrum, Personen- und Themenbezogen, sammelt, kombiniert, assoziiert, arbeitet, frei von disziplinärer Herkunft, und frei von institutioneller Hierarchie, orientiert sich an der Fülle kaleidoskopisch geordneten Wissens und der Stringenz der Frage.