Jonas KremerGründer*innen Steckbrief:
citkar – zukunftsorientierte Mobilität für die Stadt

Wir haben mit dem Berliner Mobilitäts-Startup Gründer Jonas Kremer gesprochen, der citkar 2018 ins Leben gerufen hat. Hinter citkar verbirgt sich mittlerweile ein Team aus 13 Mitarbeiter*innen. Das von citkar entwickelte, vollüberdachte Lastenrad der „Loadster“ wurde gerade mit dem „Green Product Award“ ausgezeichnet.

Was ist deine Idee – kurz erklärt?

Mit citkar wollen wir problemorientiert die Herausforderungen der urbanen Mobilität angehen und Lösungen basierend auf Kundenfeedback erarbeiten. Dazu haben wir als ersten Schritt ein vollüberdachtes Lastenfahrrad erfunden, welches einen Teil konventioneller Firmenfahrzeuge ersetzen und auf Radwegen am Stau vorbeifahren kann. Führerscheinfrei und mit Parkplatz direkt am Ziel: Der Loadster.

Welches grundsätzliche Problem willst du lösen? Was willst du mit deiner Idee bewirken?

Aktuelle Lastenfahrräder eigenen sich kaum als Nutzfahrzeug für Unternehmen. Sie haben einen hohen Bedarf an Service und Wartung, decken den Bedarf nur geringfügig ab – etwa in Form der Transportbox – und sind meist selbst für geübte Radfahrer eine große Herausforderung in der Fahrweise, vor allem in Kurven und beim Bremsen. Zudem wird das Auto für viele auch aus Bequemlichkeit genutzt. Eine Alternative muss daher witterungsgeschützt und komfortabel sein – wie unser Loadster.

Wie kamst du auf die Idee – erzähle ein bisschen über dich, deine Vergangenheit, Interessen und wie du dich zum Entrepreneur entwickelt hast?

Mit Anfang 20 stellen sich viele die Frage, wie sie sich künftig fortbewegen wollen. Als mir auf dem Heimweg, mit vollgepackten Taschen und bei leichtem Regen, ein Junge mit einem Kettcar entgegenfuhr, kam mir die Idee: Da eine Box drauf, Dach drüber und fertig! Da meine Eltern beide unternehmerisch tätig waren und es bis heute auch sind, war für mich der Weg des Entrepreneurs fast schon logisch. Nach ein paar Jahren mit einigen Prototypen und sehr vielen Gesprächen haben wir erste Zielgruppen definiert, einen Gründerkredit beantragt und einfach losgelegt.

„Als ich die ersten Mitarbeiter einstellte, da ich allein nicht mehr weiterkam, ging es fortan um mehr als nur mich.“

Ehrlich gesagt ging es einfach immer nur weiter, so richtig zum Nachdenken bin ich dabei gar nicht gekommen. Es gab immer genügend zu tun, sodass ich nur wenige Tage hatte, an denen ich alles hätte hinschmeißen wollen. Als ich die ersten Mitarbeiter einstellte, da ich allein nicht mehr weiterkam, ging es fortan um mehr als nur mich. Letztlich stellten wir dann aber auch fest: Mit dem Loadster hinterfragen wir grundsätzlich die urbane Mobilität. citkar wurde also mehr als das Kettcar mit Box und Dach.

An welchen Stellen hast du Hilfe gebraucht, was waren deine größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung bestand sicher erst einmal darin, das richtige Umfeld zu finden. Ich komme eigentlich aus dem Rheinland und bin für citkar nach Berlin gegangen, da hier Behörden ganz anders auf Start-ups eingestellt sind, aber hier vor allem nach meiner Erfahrung deutlich mehr abenteuerhungrige Menschen sind. Ich habe daher kurz nach meinem Umzug unzählige Events rund ums Gründen, Marketing und Kennenlernen mitgemacht und habe darüber viele meiner Partner, aber auch Mitarbeiter kennengelernt. Nicht zuletzt kommt auch unser Investor aus Berlin, die Rumford Partners GmbH. Aber auch das MotionLab.Berlin, Europas größter Coworking Space für Hardware, war ein entscheidender Wendepunkt. Hier konnten wir viele gute Zulieferer finden und über eigene Events unser Netzwerk stärken.

Jonas war Teilnehmer des Entrepreneurship Summits 2018, auf dem er citkar vorstellte:

Was sind deine Zukunftspläne mit citkar?

Aktuell bauen wir unsere eigene Produktionsstätte auf – ein riesiger Meilenstein, der mich auch ganz persönlich noch einmal enorm fordert und eine spannende Herausforderung ist. Dann folgt der Marktstart und alles, was damit zusammenhängt: Funktioniert unser Kundenservice? Stimmen unsere Verkaufsprognosen? Können wir das Produkt noch besser machen? Und natürlich sollen die Erfahrungen aus dem noch einmal verstärkten Kundenkontakt zu weiteren Möglichkeiten führen. Hier sind wir derzeit noch recht offen und hören viel zu. Gerade hat ein neues Jahrzehnt begonnen und die Mobilität – vor allem in den Städten – braucht weniger bunte Bilder über autonome Autos und Flugtaxis, sondern echte Lösungen, die am Bedarf der Menschen und Unternehmen orientiert sind. Wir haben die Chance, unsere Städte über die Mobilität lebens- und liebenswerter zu machen. Das sollten wir nutzen.

Was ist in deinen Augen ein „Job mit Sinn“ und was bedeutet es für dich nachhaltig zu agieren?

Nachhaltigkeit ist für uns ein ganzheitlicher Ansatz. Viele unserer Kunden fragen eher nach dem Preis oder wie belastbar die Hinterachse ist. Dass der Loadster gegenüber einem Auto nur einen Bruchteil an CO2 emittiert, ist für die allermeisten nicht der Hauptbeweggrund. Aber er ist es für uns. Wir glauben fest daran, dass man Nachhaltigkeit nicht erzwingen kann. Wirklich nachhaltige Produkt überzeugen aus sich heraus, sind praktischer, logischer, vielfältiger. Meinen Mitarbeitern merke ich an, dass sie genau das motiviert. Aber dem Mythos, dass junge Menschen begeistert von Luft und Liebe leben wollen, möchte ich dennoch widersprechen. Die wissen schon genau, was sie wert sind – zu Recht!

„Wirklich nachhaltige Produkt überzeugen aus sich heraus, sind praktischer, logischer, vielfältiger.“

 

Loadster von citkar

Was würdest du, wenn du könntest, gern sofort an der Arbeitswelt verändern?

Von Startups hört man gerne, dass sie einen noch flexibleren Arbeitsmarkt wollen, weniger Bürokratie, etc. Ich denke aber, Deutschland und vor allem Berlin machen hier gar nicht so viel falsch. Ich würde mich dagegen über stärkere Anreize freuen, etwa für Unternehmen, die eben nachhaltig arbeiten, besonders gute Löhne zahlen oder auch mal Tiere im Unternehmen zulassen. Unsere Hunde, die bei uns herumlaufen, tragen erheblich zur guten Stimmung bei. Der Loadster besetzt einen relativ neuen Markt und kann sich somit einiges leisten, aber gerade Start-ups in etablierten Branchen, etwa der Logistik oder dem Finanzwesen, sehen sich einer knallharten Konkurrenz ausgesetzt – die oft zu Lasten der Arbeitnehmer ausgeht. Hier fairer auszugleichen, wäre ein sinnvoller Schritt.

Was macht für dich den Reiz der Selbstständigkeit aus?

Es ist schon ein gänzlich anderes Gefühl, niemanden Rechenschaft schuldig zu sein – außer sich selbst. Da hast du alles in der Hand, kannst dich um alles direkt kümmern, baust viel Expertise auf. Aber am Ende merkst du auch: Du bist sehr viel allein. Ohne ein Netzwerk und Partner konnte das für mich nicht lange funktionieren. Selbstständigkeit an sich hat für mich nur einen begrenzten Mehrwert. Für den Start unabdingbar, aber mein Ziel war immer, sich mittelfristig zu verstärken, Aufgaben auch abzugeben – und auch mal beruhigt Urlaub zu machen. Vielmehr ist es für mich sehr erfüllend, andere an meinem Projekt teilhaben zu lassen. Ich gebe zu, mich reizt es auch, meine Erfahrungen weiterzugeben.

Könntest du dir vorstellen (nochmal oder irgendwann einmal) in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten?

Die Frage ist ja, wie ich ein Angestelltenverhältnis definiere. Das berühmte nine-to-five an einem Schreibtisch, bei dem ich irgendwas in eine Ablage verschiebe und auf die Feierabenduhr blicke, das kommt für mich sicher nicht mehr infrage. Aber wann bin ich wirklich frei? Als Geschäftsführer bin ich zuallererst meinen Kunden und meinen Mitarbeitern verpflichtet. In meinem Fall haben zudem meine Geldgeber berechtigte Ansprüche. Die Frage ist doch: Wie schnell möchte ich etwas erreichen und wie groß ist das Ziel? Daraus erwächst die Höhe der Abhängigkeiten. Wie hoch diese sein sollten, sodass ich mich darin wohlfühle, muss jeder für sich selbst bestimmen. Ich kann mit citkar dank der Unterstützung unserer Partner, Mitarbeiter und Kunden viel bewegen, auch wenn das mitunter eine enorme Verantwortung ist, der ich mich gerne stelle.

Was kannst du Entrepreneuren aus deiner Erfahrung heraus sagen, die ganz am Anfang ihrer Gründung stehen?

Auf die Frage muss ich dann doch mit einem Klassiker antworten: Es gibt keine Alternative nach dem Hinfallen als wieder aufzustehen. Wichtig ist nur, dass man auch bereit ist, die wirklich schmerzhaften Lektionen zu lernen. Es gibt kein Recht darauf, die immer gleichen Fehler wieder und wieder machen zu dürfen. In den seltensten Fällen ist der Grundgedanke eurer Idee das Problem, sondern der dahin eingeschlagene Weg. Und dann kann es sich auch lohnen, noch einmal zu einer Weggabelung zurückzugehen. Entrepreneur zu sein, heißt Lösungen zu finden, nicht Ausreden.

In diesem Video sehen Sie Sven Kindervater, zuständig für Strategie und Kommunikation bei citkar, der über die Gründungsidee, Learnings und urbane Mobilität spricht:

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