Gründer*innen Steckbrief: Anna & Eugen Graf

Anna und Eugen Graf

Die ZahnseidenKampagne – Nachhaltigkeit trifft Eleganz

Anna und ihr Mann Eugen gründeten, nachdem sie 2013 am Proof of Concept, dem ehemals Gründen Live Wettbewerb, teilnahmen, die ZahnseidenKampagne. Wir waren neugierig und haben bei Eugen nachgefragt, wie geht es der ZahnseidenKampagne heute?

Was ist deine Idee – kurz erklärt?

Es geht um eine nachhaltige Großpackung Zahnseide (250 – 500 m), die nachfüllbar ist.

Welches grundsätzliche Problem willst du lösen?

Wenn man eine Dose von ZahnseidenKampagne kauft, dann ist man vorerst gut mit Zahnseide versorgt. 🙂  Man muss sie nicht ständig nachkaufen und spart eine enorme Menge an Verpackungen ein.

Wie kamst du auf die Idee – erzähle ein bisschen über dich, deine Vergangenheit, Interessen und wie du dich zum Entrepreneur entwickelt hast?

Schon während meines Studiums 2012 zum Maschinenbauingenieur, beschäftigte ich mich bereits viel mit der Selbständigkeit. Es fing jedoch alles mit dem Buch „Kopf schlägt Kapital“ an. Als ich das Buch las, erstellte ich eine Liste, welche Produkte sich für eine Großpackung anbieten würden. Damals stand nur „Mundhygiene“ auf der Liste. In einem weiteren Buch las ich: „Warum gibt es eigentlich keine Großpackung Zahnseide?“ Dieser Satz und das Hintergrundwissen aus „Kopf schlägt Kapital“ hat alles ins Rollen gebracht und hat mich 2013 zum Handeln veranlasst. Relativ schnell fand ich einen Hersteller in der EU, der eine Großpackung Zahnseide schon im Sortiment hatte. Dieses erste Muster nahm ich damals mit nach Berlin zu Gründen Live.

Kurz etwas zu mir:
Vor dem Studium war ich bei den Pionieren in Minden und leistete dort meinen Wehrdienst. Davor absolvierte ich eine Ausbildung zum Industriemechaniker in Bielefeld. Um ein Studium aufnehmen zu können, besuchte ich ein Jahr lang die Carl Severing Schule in Bielefeld, um die Fachhochschulreife zu erlangen. Fotografie und Bücher sind meine Leidenschaften.

Wie hast du damals vom Proof of Concept Wettbewerb erfahren?

Ich habe 2013 an dem ersten Wettbewerb teilgenommen, damals hieß dieser noch Gründen Live. Mein Plan war „nur“ zur Veranstaltung zu fahren und über den Newsletter habe ich dann von Gründen Live erfahren und mich angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur einige erste Muster vorliegen. Ich habe mich dann spontan beworben und wurde angenommen.

Welche Erfahrungen konntest du beim Proof of Concept sammeln? Erzähle ein wenig über deine Teilnahme.

Ich musste all meinen Mut zusammennehmen, um auf die Bühne zu gehen und das Produkt vorzustellen. Ich war sehr aufgeregt, im Nachhinein aber auch stolz, dass ich mich getraut habe. Ich hatte damals nur eins von den ersten fünf Mustern mit. Es gab Kunden, die es sofort mitnehmen wollten, leider hatte ich nur dieses eine Muster dabei. Im Anschluss an den Vortrag wurde ich von einem potentiellen Investor angesprochen. Es entstand später aber leider keine Zusammenarbeit. Es war trotzdem sehr spannend auch in dieser Richtung Interesse erhalten zu haben. Es war unglaublich wertvoll mit potentiellen Kunden zu sprechen.

An welchen Stellen hast du Hilfe gebraucht, was waren deine größten Herausforderungen?

Die größte Herausforderung begann kurz nach der Veranstaltung auf dem Entrepreneurship Summit 2013. Die Nachfrage beim Summit war zwar da, aber der Hersteller der Großpackung Zahnseide setzte die Mindestabnahmemenge auf 10.000 Stück hoch und damit war das Vorhaben Großpackung Zahnseide plötzlich unmöglich geworden.  Die Nachfrage war jedoch nicht so riesig, dass ich eine hohe fünfstellige Summe investieren hätte können.

Trotzdem ließ mich die Idee der Großpackung Zahnseide einfach nicht los und ich fing erneut an zu recherchieren. Dabei trennte ich beide Produkte gedanklich voneinander und suchte nach zwei Lieferanten für Zahnseide und Behälter. Ich musste also einen Lieferanten für die Zahnseide finden und einen passenden Behälter dazu suchen. Der Lieferant für die Zahnseide war schnell gefunden, den passenden Behälter zu finden war eine andere Sache.

Besonders wichtig war es mir einen Behälter zu finden, den es schon gibt und diesen nur etwas zu modifizieren, um daraus einen Spender für die Zahnseide zu machen. Diese Suche war sehr zeitraubend. Zumal ich schon als Ingenieur in Lübbecke tätig war. Ende 2014 bestellte ich dann, ohne einen geeigneten Spender zu haben, 2000 Spulen à 500 m. Ich wollte die Zahnseide vor Ort haben, um mich zu motivieren und mehr Druck zu erzeugen den passenden Spender zu finden. Es dauerte noch ein Jahr bis ich den Spender gefunden und das Werkzeug zur Modifizierung entwickelt habe. Im Herbst 2015 war der Spender komplett fertig.

Wo lässt du deine Produkte herstellen und nach welchen Kriterien wählst du deine Produzent/innen aus?

Zahnseide_Von_ZahnseidenKampagne
Die Zahnseide von ZahnseidenKampagne

Die „rohe“ Dose kaufe ich bei einem Händler in Deutschland. Diese wird dann von  Hand zum Zahnseidenspender verarbeitet. Die Einzelteile und Verpackung kaufe ich auch in Deutschland. Ein Teil der Zahnseide kommt aus Asien und der andere Teil aus der EU.

Es war sehr schwer eine geeignete Zahnseide in Deutschland zu finden. Man darf nicht vergessen, dass zu Beginn der Selbstständigkeit die finanziellen Möglichkeiten sehr schnell erschöpft sind. Wenn ich einen Hersteller mit der geeigneten Zahnseide gefunden habe, so war die Abnahmemenge einfach zu hoch. Ebenso wusste ich ja nicht, wie sich das Vorhaben entwickeln wird.

Schlussendlich bin ich in Asien gelandet, weil dort alles ideal für mich war. Die Nachhaltigkeit wird dort sehr groß geschrieben und Kritik wird ernst genommen und sehr schnell umgesetzt. Dies habe ich in Deutschland leider fast nie erlebt. Wenn man kein großes Unternehmen ist, wird man nicht wirklich ernst genommen und bei der Nachhaltigkeit ist bei den Unternehmen noch sehr viel Arbeit nötig. Ich arbeite seit kurzem sehr eng mit einem weiteren Hersteller aus der EU zusammen. Damit habe ich zwei starke Partner  und freue mich auf die Zusammenarbeit. Ich kann mich auf sie verlassen und Nachhaltigkeit wird bei beiden groß geschrieben.

Was sind deine Zukunftspläne mit der ZahnseidenKampagne?

Der Zahnseiden-Spender wird aktuell überarbeitet. Dieser soll hochwertiger werden und der Abreißmechanismus soll optimiert werden. Ebenso die Spule, sie soll in Zukunft ohne Hülse auskommen. Das Sortiment an Zahnseiden wird der Nachfrage immer wieder angepasst. Nachhaltige Lösungen sind mir besonders wichtig. Eine mögliche Zahnseide, die ich dieses Jahr noch ins Sortiment aufnehme, wird aus recycelten Flaschen hergestellt. Ich denke auch über eine DIY Anleitung für einen Spender nach. Ich habe eine Idee wie sich Kunden einen Spender Zuhause selber erstellen könnten – und das aus einem kleinen Behälter, der sonst im Müll landen würde. Zusätzlich sollen die Produkte in noch mehr Unverpackt-Läden vertreten sein.

Was ist in deinen Augen ein „Job mit Sinn“ und was bedeutet es für dich nachhaltig zu agieren?

Der „Job“ sollte Spaß machen. Da wir sehr viel Zeit mit Arbeiten verbringen, ist es enorm wichtig, etwas zu tun was einem Freude bereitet. Der Sinn ist für mich gegeben, wenn ein Mehrwert geboten wird. Dabei sollten unbedingt zukünftige Auswirkungen des aktuellen Handelns bedacht werden. Das heißt: Wie schaut es mit der Umwelt, Ressourcenverbrauch und Nachhaltigkeit aus? Für mich sind da die Unternehmen ganz klar in der Pflicht. Sie sollten die Umweltaspekte, z. B. bei Neu- oder Weiterentwicklungen von Produkten, stark einbeziehen. Die Unternehmen könnten mit noch mehr nachhaltigen Produkten das Kaufverhalten der Konsumenten positiv beeinflussen.

Was würdest du, wenn du könntest, gern sofort an der Arbeitswelt verändern?

Eine gerechte Bezahlung, insbesondere bei Berufen, die sowieso schon schlecht bezahlt werden. Soweit möglich, sollte die Arbeitszeit frei eingeteilt werden können. Dies würde Familien sehr zu Gute kommen. Außerdem sollte es mehr Möglichkeiten geben von Zuhause zu arbeiten. Lange Wege zur Arbeitsstätte belasten und rauben sehr viel Zeit. Den Mitarbeitern sollte mehr Verantwortung übertragen werden, dadurch macht der Job mehr Spaß.

Zahnseide im BadWas macht für dich den Reiz der Selbstständigkeit aus?

Die Freiheit seine Arbeitszeit und den Ort frei gestalten zu können. Immer wieder Neues zu entwickeln und Kunden dadurch einen Mehrwert anbieten zu können. Immer wieder neue Herausforderungen anzunehmen und zu meistern.

Könntest du dir vorstellen (nochmal oder irgendwann einmal) in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten?

Ja, aber nur wenn ich mit der Selbstständigkeit meinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten könnte.

Was kannst du Entrepreneuren aus deiner Erfahrung heraus sagen, die ganz am Anfang ihrer Gründung stehen?

Zeigt Euer Projekt / Produkt oder was es auch ist, so schnell es geht, dem potentiellen Kunden. Vom Kunden könnt ihr sehr viel lernen. Ist die Nachfrage überhaupt da? Was braucht und will der Kunde wirklich? Wartet nicht, bis es perfekt ist. Geduld, Mut und Durchhaltevermögen sind sehr wichtig. Habt keine Angst und haltet durch!

Falls Du Lust bekommen hast, dein Entrepreneurial Design auf unserem Entrepreneurship Summit zu testen, hier geht es zur Proof of Concept Anmeldung.

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